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Frauengesundheit · 10 Min. Lesezeit

Haarausfall bei Frauen: Ursachen und der Weg zur richtigen Diagnose

Haarausfall bei Frauen hat selten eine einzige Ursache. Jede Maßnahme vor der Ursachenklärung verschiebt das Problem nur.

Haarausfall bei Frauen: Ursachen und der Weg zur richtigen Diagnose

Haarausfall bei Frauen verläuft anders als bei Männern: statt einer umschriebenen Kahlstelle zeigt sich meist eine diffuse Ausdünnung entlang des Scheitels. Dieser Unterschied ist wichtig, denn hinter demselben Bild können sehr verschiedene Ursachen stehen.

Die richtige Reihenfolge lautet deshalb: zuerst die Ursache finden, dann die Behandlung planen. Eine Haartransplantation ohne Ursachenklärung führt zu keinem dauerhaften Ergebnis, weil das zugrunde liegende Problem weiterbesteht.

Androgenetischer (genetischer) Haarausfall

Die häufigste Form dauerhaften Haarausfalls bei Frauen. Der Scheitel verbreitert sich deutlich, die Dichte an der Tonsur nimmt ab; eine vollständige Kahlheit wie bei Männern tritt in der Regel nicht ein.

Es ist ein fortschreitender Prozess. Früh lässt er sich medikamentös verlangsamen; ist die Ausdünnung deutlich und der Spenderbereich intakt, kommt eine Haartransplantation in Betracht.

Telogenes Effluvium: vorübergehend, aber stark

Die Antwort des Körpers auf eine plötzliche Belastung: Geburt, Operation, fieberhafte Erkrankung, strenge Diät, starker psychischer Stress. Es beginnt 2–3 Monate nach dem Auslöser und klingt meist binnen 6–12 Monaten von selbst ab.

In diesem Bild wird nicht transplantiert. Der Ausfall ist vorübergehend und die Follikel sind vorhanden; ein Eingriff wäre unnötig und zudem irreführend.

  • Der Ausfall nach der Geburt ist das typischste Beispiel; er klingt in 6–12 Monaten ab.
  • Rascher Gewichtsverlust und proteinarme Diäten sind häufige Auslöser.
  • Manche Medikamente (Blutverdünner, Retinoide, bestimmte Antidepressiva) können ein ähnliches Bild auslösen.

Schilddrüse, Eisen und Vitaminmangel

Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse stört den Haarzyklus. Ein niedriges Ferritin als Marker der Eisenspeicher ist bei Frauen ebenfalls eine sehr häufige und leicht übersehene Ursache.

In diesen Fällen geht der Ausfall nach Behebung des Mangels meist zurück. Deshalb steht am Anfang der Beurteilung die Blutuntersuchung.

Hormonelle Ursachen

Das polyzystische Ovarialsyndrom, der Übergang in die Menopause und ein Wechsel der Verhütungsmethode können den Haarzyklus beeinflussen. Kommen Befunde wie vermehrte Körperbehaarung, unregelmäßige Zyklen oder fettige Haut hinzu, hat die hormonelle Abklärung Vorrang.

Die Behandlung ist in dieser Gruppe meist interdisziplinär; Dermatologie und Gynäkologie beurteilen gemeinsam.

Traktionsalopezie

Straffe Pferdeschwänze, Zöpfe, Extensions und das ständige Zusammenbinden in dieselbe Richtung üben dauerhaften mechanischen Zug auf den Follikel aus. Die Ausdünnung beginnt zuerst an den Schläfen und entlang der Stirnlinie.

Früh erkannt bildet sie sich zurück, sobald die Gewohnheit endet. Besteht sie lange, geht der Follikel dauerhaft verloren; dann ist eine Haartransplantation eine geeignete Option.

Vernarbende (zikatrizielle) Alopezien

Bei Bildern wie der frontal fibrosierenden Alopezie und dem Lichen planopilaris wird der Follikel durch einen entzündlichen Prozess dauerhaft zerstört; auf der Kopfhaut zeigen sich glänzende, glatte Areale.

In dieser Gruppe wird bei aktiver Erkrankung nicht transplantiert — die gesetzten Grafts wären demselben Prozess ausgesetzt. Zuerst muss die Erkrankung kontrolliert und dann mindestens ein Jahr ruhig beobachtet werden.

Welche Werte werden geprüft?

Die Beurteilung beginnt mit der Untersuchung; die Kopfhaut wird per Trichoskop betrachtet und das Ausfallmuster bestimmt. Danach werden meist folgende Werte angefordert:

  • Großes Blutbild
  • Ferritin (Eisenspeicher)
  • TSH, freies T4 (Schilddrüsenfunktion)
  • Vitamin B12 und Vitamin D
  • Bei Bedarf ein Hormonprofil (Androgene, Prolaktin)

Wann ist eine Haartransplantation die richtige Option?

Eine Haartransplantation ersetzt einen verlorenen Follikel durch einen anderen; sie ist daher nur bei dauerhaftem Verlust sinnvoll. Bei vorübergehendem Ausfall gilt es, die Ursache zu behandeln und den Verlauf zu beobachten.

Geeignet ist eine Patientin, deren Ursache geklärt ist, deren Spenderbereich intakt ist und deren Erwartung realistisch ist. Sind diese Bedingungen erfüllt, lässt sich mit dem Verfahren ohne Rasur vorgehen, ohne das Haar zu schneiden.

Häufige Fragen

Kann ich bei Haarausfall nach der Geburt eine Transplantation machen lassen?

Nein. Der Ausfall nach der Geburt ist ein telogenes Effluvium und klingt meist binnen 6–12 Monaten von selbst ab. In dieser Zeit wird nicht transplantiert; der Verlauf wird beobachtet und bei Bedarf unterstützend behandelt.

Ist eine Transplantation während der Stillzeit möglich?

Nein. Wegen der während und nach dem Eingriff eingesetzten Medikamente wird bis zum Ende der Stillzeit gewartet.

Geht Haarausfall bei Frauen von selbst zurück?

Das hängt von der Ursache ab. Telogenes Effluvium sowie Ausfall durch Eisenmangel oder Schilddrüsenstörung bilden sich nach Behebung der Ursache zurück. Androgenetischer Ausfall dagegen ist fortschreitend und geht nicht von selbst zurück.

Wie viele Haare pro Tag zu verlieren ist normal?

50–100 Haare täglich gelten als normal. Entscheidend ist weniger die Zahl als die Tendenz: eine sichtbare Abnahme der Dichte, ein breiter werdender Scheitel oder ein dünnerer Zopf verlangen eine Beurteilung.

Stoppen Nahrungsergänzungsmittel den Haarausfall?

Nur bei einem nachgewiesenen Mangel. Ohne Mangel eingenommene Präparate bringen keinen Nutzen; deshalb folgt die Entscheidung dafür auf die Blutwerte.

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