Heilung · 8 Min. Lesezeit
Shock Loss: wann er beginnt und wann er endet
Dass die transplantierten Haare ausfallen, ist kein Misserfolg, sondern eine erwartete Phase. Wer weiß, warum, erspart sich die Panik im dritten Monat.

Der Shock Loss ist die Phase, die Patienten nach einer Haartransplantation am meisten beunruhigt. Dass die transplantierten Haare auszufallen beginnen, erweckt bei den meisten den Eindruck, der Eingriff sei gescheitert — dabei ist es das Zeichen, dass alles erwartungsgemäß verläuft.
Dieser Beitrag erklärt, warum es zum Ausfall kommt, in welcher Woche er beginnt und wann er endet, ob auch bestehendes Haar betroffen ist und wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten.
Was ist Shock Loss?
Shock Loss (telogenes Effluvium) ist der Ausfall des Haarschafts, nachdem der Follikel vorübergehend in eine Ruhephase eintritt. Bei der Haartransplantation wird der Follikel entnommen und in einen neuen Bereich gesetzt, wobei die Durchblutung kurz unterbrochen ist. Der Follikel antwortet auf diesen Stress, indem er den Schaft über sich abgibt.
Die entscheidende Unterscheidung lautet: Was ausfällt, ist der Schaft, nicht der Follikel. Der Follikel bleibt in der Kopfhaut, ruht einige Monate und tritt in einen neuen Wachstumszyklus ein. Shock Loss bedeutet daher keinen Graftverlust.
Wann beginnt er, wann endet er?
Der Ausfall beginnt meist 2–4 Wochen nach dem Eingriff und ist binnen 2–3 Monaten abgeschlossen. Der größte Teil der transplantierten Haare fällt in dieser Zeit aus; bei manchen Patienten fast alle, bei anderen verläuft es unbemerkt.
Neues Wachstum wird ab Monat 3–4 sichtbar. Die ersten Haare sind fein und hell; Verdickung und Pigmentierung brauchen einige Monate mehr.
- Woche 2–4: der Ausfall beginnt
- Monat 1–3: die Phase des stärksten Ausfalls
- Monat 3–4: neues Wachstum wird sichtbar
- Monat 6: etwa die Hälfte der Deckung ist erreicht
- Monat 12–18: das Ergebnis reift aus
Fällt auch mein bestehendes Haar aus?
Das kann sein. Bestehende Haare im behandelten Bereich können durch das lokale Trauma des Eingriffs ebenfalls vorübergehend ausfallen. Das zeigt sich besonders in verdichteten Bereichen und bei Eingriffen ohne Rasur.
Auch dieser Ausfall ist vorübergehend; die Haare kommen im selben Zeitraum zurück. Haare, die bereits geschwächt und ausgedünnt waren, kehren jedoch möglicherweise nicht zurück — das ist der natürliche Verlauf des bestehenden Ausfalls, nicht die Folge des Eingriffs. Genau deshalb wird ein begleitender medizinischer Plan gesondert aufgestellt.
Woran erkenne ich, was normal ist?
Haare auf dem Kissen, in der Dusche und im Kamm sind in dieser Zeit erwartbar. Ein kleines weißes Knötchen am Ende eines ausgefallenen Haares ist ebenfalls normal; das ist nicht der Follikel, sondern das Schaftende in der Ruhephase.
Der praktischste Weg, den Verlauf objektiv zu verfolgen, ist die Fotografie: Aufnahmen vor dem Eingriff sowie in Monat 1, 3 und 6 aus demselben Winkel, derselben Entfernung und bei gleichem Licht sind ein weit verlässlicheres Maß als der Eindruck im Spiegel.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Der Shock Loss selbst braucht keine Behandlung. Folgende Befunde hängen jedoch nicht damit zusammen und sollten unverzüglich beurteilt werden:
- Zunehmende Rötung, Überwärmung, Sekretion oder Schmerz im Empfängerbereich
- Ausbreitung entzündeter, pickelartiger Bläschen (Follikulitis)
- Fieber oder eine nicht heilende offene Stelle im Spenderbereich
- Bis Ende des sechsten Monats überhaupt kein neues Wachstum
Was in dieser Zeit zu tun ist — und was nicht
Das Richtigste in dieser Phase ist, das erhaltene Pflegeprotokoll unverändert fortzuführen. Eigenmächtig Produkte hinzuzunehmen, um den Ausfall zu stoppen, oder das Protokoll beschleunigen zu wollen, bringt nichts.
- Halten Sie sich an den schriftlichen Pflegeplan; nehmen Sie nichts hinzu und lassen Sie nichts weg.
- Beginnen Sie nicht eigenmächtig mit Minoxidil oder Ähnlichem, solange der Arzt es nicht empfiehlt.
- Vermeiden Sie kräftiges Reiben des Haares und sehr kurze Maschinenschnitte.
- Versäumen Sie die Kontrolltermine in Monat 1, 3 und 6 nicht — dort wird der Verlauf richtig beurteilt.
Häufige Fragen
Wenn ich keinen Shock Loss habe, stimmt etwas nicht?
Nein. Bei manchen Patienten verläuft der Ausfall sehr mild und fast unbemerkt. Das ist kein negatives Zeichen und sagt nichts über die Qualität des Ergebnisses.
Wachsen die ausgefallenen Haare sicher nach?
Da die Follikel der transplantierten Grafts in der Kopfhaut bleiben, ist das Nachwachsen der erwartete Ausgang. Unter Ihren bestehenden Haaren kehren bereits geschwächte möglicherweise nicht zurück; das hängt mit dem natürlichen Verlauf des Ausfalls zusammen.
Lässt sich Shock Loss verhindern?
Nicht vollständig, denn er ist die physiologische Antwort des Follikels auf Stress. Kurze Zeiten außerhalb des Körpers und das richtige Pflegeprotokoll machen den Verlauf kontrollierter, heben die Ausfallphase aber nicht auf.
Soll ich mir Sorgen machen, wenn in Monat drei nichts wächst?
Nein. Das Wachstum beginnt meist ab Monat 3–4 und kann bei manchen bis Monat fünf dauern. Der richtige Zeitpunkt zur Beurteilung ist die Kontrolle im sechsten Monat.
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